Der Bund der Maikäferhändler
Die in diesem Jahr besonders schwer nothleidenden Maikäferhändler
haben sich zu einem Bund zusammengeschlossen, welcher die geeigneten Schritte
thun soll und wird, die herzzereißende Lage, in welche die Maikäferhändler
gebracht worden sind, in das Gegentheil zu verwandeln.
Die jungen Leute gehen hierbei von der Ueberzeugung aus, daß sie
durch ihre Bemühungen auf dem Gebiet des Maikäferhandels eine
in eminenter Bedeutung des Wortes landwirthschaftliche Thätigkeit
entfalten, die der Landwirthschaft von großem Nutzen ist und schon
aus diesem Grunde beanspruchen dürfen, von der Regierung, wenn auch
auf Kosten der übrigen Erwerbsklassen, begünstigt zu werden.
In den Maikäferjahren hat die Regierung in der rücksichtslosesten
Weise die Maikäfer aus dem Wege räumen lassen, ohne daran zu
denken, daß hierdurch die Zeiten schlechtester Maikäferernten
förmlich vorbereitet wurden. So trat an die Stelle des Ueberflusses
der Mangel. Für viele Beweise nur einen einzigen, aber vollgültigen.
Ein Baum, der früher nur sanft geschüttelt zu werden brauchte,
um den unmündigsten Handeltreibenden mit einer Fülle von Maikäfern
zu versorgen, steht heute völlig maikäferleer. Kaum lohnt es
sich, die Hand an ihn zu legen. Die Ernte ist entweder gleich Null oder
absolut unbedeutend, so daß die aufgewendete Mühe in keiner
Weise bezahlt wird. Keine Klage reicht an die Enttäuschung heran,
aber je konsequenter sie überhört wird, um so energischer muß
sie wiederholt werden, um die maßgebenden Kreise zu bestimmen, nach
Kräften und über dieselben hinaus Hülfe zu schaffen.
Wer ein Auge für das öffentliche Leben hat, wird von Mitleid
ergriffen werden, wenn er Gelegenheit hat, die schlecht genährten
und mangelhaft bekleideten Gestalten des Maikäferbundes zu sehen,
die mit ihrer Waare auf dem Markt erscheinen. Gestalten und Waare gleichen
sich in ihrem traurigen Aussehen. Kisten und Kasten sind fast leer oder
ihre Inhalt reicht kaum hin, als ein solcher bezeichnet zu werden. So fristen
die Maikäferhändler ihr trauriges Dasein, und wenn die Regierung
nicht schleunig zu Hilfe eilt und Alles thut, was in ihren Kräften
steht und nicht steht, diese wichtige Industrie wieder zu kräftigen,
indem sie deren Vertreter unterstützt, so hat sie sich die Folgen
selbst zuzuschreiben.
Es ist auch in der letzten Zeit häufig versucht worden, die nothleidenden
Maikäferhändler als Simulanten zu charakterisiren, die, in guten
Verhältnissen, die Hülfe des Staats aus dem Schlafe brüllend,
nur bezwecken, diese Verhältnisse noch zu verbessern, um üppiger
als bisher leben zu können. Die liberale Presse, die in diesen Verdächtigungen
das Menschenmögliche leistet, lügt natürlich, wie sie nicht
anders kann, man werfe einmal einen Blick in die Kreise der enterbten und
darbenden Maikäferhändler. Man wird sie wie ebenso viele Tantalusse
gegenüber den Genüssen stehen sehen, welche in anderen Erwerbsklassen
in Massen genossen werden. Dadurch wird die Unzufriedenheit förmlich
systematisch erzeugt und großgezogen.
Die Regierung hat die Wahl und darf nicht länger zögern. Hier
können nur reichliche Liebesgaben helfen. Treffen diese nicht bald
ein, so geht der Maikäferhandel unrettbar zu Grunde.